vollblind im freilauf

Oft höre ich, der Freilauf muss in der Ausbildung eines Führhundes richtig trainiert werden, dann hat der Halter später auch keine Probleme. Dieser Satz stimmt, stimmt aber auch wieder nicht. denn Freilauftraining ist etwas, woran man ein Leben lang arbeiten muss.

Also gehen wir mal davon aus, dass der Hund den Freilauf ordentlich gelernt hat. Trotzdem kann es sein, dass er — aus verschiedenen Gründen — an sein gutes Training erinnert werden sollte.

Einer der wichtigsten gründe ist Langeweile. Ein guter Ausbilder hat eine Priorität, nämlich seinen Hund. Als Führhundhalter ist der Hund ein Teil des Lebens, d.h., muss zwischen Arbeit, Kindern, Haushalt, Hobby etc. untergebracht werden.

das kann bedeuten, dass man nicht unbedingt den Spielraum hat, immer unterschiedliche Wege zu laufen, damit es dem Hund nicht langweilig wird. Oder man wohnt so, dass es nur wenige Auslaufmöglichkeiten gibt oder man an die wirklich guten Wege ohne Auto nicht drankommt.

was kannst Du aber nun als Vollblinder tun, um den Freilauf für beide interessanter zu gestalten und dafür zu sorgen, dass Dein Führhund auch noch nach einem Jahr oder länger selbständig gern zu Dir zurückkommt. Ich beschränke mich hier bewusst auf die Dinge, die auch ohne ständige sehende Begleitung möglich sind. denn ein Hund weiß genau, dass der sehende früher eingreifen kann.

1. Wiederkommen immer belohnen. sei im Zweifel ein Futterautomat, Wiederkommen ist toll, der Hund kann ruhig lernen, komm ich zu Herrchen/Frauchen, gibt’s immer Futter oder was zum Spielen. Auch ist es keine Schande, sich schon mal riesig zu freuen, wenn der Hund sich zu dir auf den Weg macht und nicht zwischendurch groß abbiegt. Wenn Du diese Freude dann auch noch immer mit dem gleichen Wort und den gleichen Bewegungen verknüpfst, entwickelst Du so ein sogenanntes „Doppeltes Rückrufsignal“.

2. Beobachte Deinen Hund, wenn es stellen gibt, an denen er draussen schon mal was zu Fressen bekommen hat, nimm ihn kurz davor an die Leine oder beschäftige ihn so, dass er nicht mehr an die tolle Stelle denkt. Du kannst ihn zum Beispiel in so einem fall durch ein tolles Spiel ablenken oder auch dadurch, dass Du ihm ein Leckerli zeigst, dass er erst bekommt, wenn Ihr an der stelle vorbeigelaufen seid. Erst, wenn die Distanz wieder groß genug ist, gibst Du den Hund wieder frei. So nach ein bis zwei Wochen kannst du dann mal ausprobieren, ob die Stelle immer noch einen Reiz ausübt. Wenn Du Dir sicher bist, dass dort nichts ist, kann sich der Hund die Stelle auch gern noch mal anschauen, meist merkt er dann schnell, dass sie langweilig geworden ist.

3. Mag dein Hund gern Gehorsamsübungen, kannst Du zwischendurch welche einstreuen, um den Freilauf interessanter zu machen. Wirkt bei manchen Hunden Wunder.

4. Nimm ein Spielzeug mit, bevor es deinem Hund langweilig wird, spiele mit ihm Apportieren, Zerren, oder was er sonst noch mag.

5. Interessiert sich dein Hund für wild, Vögel, etc., kannst du mit ihm gemeinsam das Wild beobachten. Am Besten Du leinst ihn an, gehst mit ihm an eine stelle, an der er mit ziemlicher Sicherheit das Wild sieht. Ihr bleibt zusammen stehen, du setzt deinen Hund hin und Ihr schaut in die Gegend. So lernt er, dass da nichts Besonderes passiert. Auf Wegen mit viel wild ist es bei einem interessierten Hund sicher sinnvoll, dass er erst mal an der Leine bleibt.

6. Für Hunde, die im Freilauf gern Kot fressen, lohnt sich auch ein Blick auf die Ernährung. Schau nach Unverträglichkeiten, stelle das Futter auf ein Futter um, welches die Stoffe nicht mehr enthält. Evtl. hilft Heilerde ins Futter oder auch Harzer Käse, sind Hausmittel, muss man ausprobieren.

7. Gib deinem Hund die Möglichkeit, ein paar mal in der Woche mit anderen Hunden zu spielen. wenn Ihr zu wenige Hunde trefft, , kannst Du auch schauen, ob eine Hundeschule spielstundend für erwachsene Hunde anbietet. Schau Dir die Hundeschule an, ob Dir die Methoden gefallen und es auch vom Gefühl her paßt. Wenn beides der fall ist, ist so eine Spielstunde vor allem für Hunde, die gern mit anderen Hunden spielen, eine gute Gelegenheit. Wenn dein Hund genug Hundekontakt hat, sind Hunde, die ihm zufällig begegnen, nicht mehr so toll und du kannst ihn auch von anderen Hunden leichter abrufen.

Natürlich ist es wichtig, dass bei ernst zu nehmenden Freilaufproblemen die Führhundschule sich das Ganze anschaut und Ihr zusammen einen Plan entwickelt. doch mit diesen Tips kannst Du auf jeden fall schon mal anfangen.

Join the newsletter

Subscribe to get our latest content by email.

Powered by ConvertKit