Von Diagnosen

Anmerkung: Der Text entstand aufgrund einer Diskussion auf Facebook. Ich danke allen Beteiligten für Ihr Input. Ihr habt mich dazu gebracht, meine Gedanken hierzu aufzuschreiben.

Viele   kennen das Gefühl, sie gehen mit unbestimmten Beschwerden zum Arzt und hoffen, dass der ihnen sagt, was sie haben und was dagegen zu tun ist. Oder sie bemühen gleich Dr. Dr. Google und können sich zwischen mehreren schweren Krankheiten entscheiden.

Hauptsache, man hat einen Namen, man kann den Zustand, die Beschwerden in die passende Schublade stecken. Oft ist allerdings die Enttäuschung groß, wenn es kein einfaches Rezept gibt, oder gar gefordert wird, das tägliche Leben zu ändern, um die Heilung zu fördern.

Und dann gibt es da die andere Sichtweise, die Krankheit als Chance zur Entwicklung sieht. Am Ende steht dann die wundervolle Heilung, der Kranke ist dann völlig entwickelt und dadurch gesund.

Natürlich, es gibt Wunderheilungen, Spontanremissionen, und es kann theoretisch jedem passieren, daher unterstütze ich auch jene, die z. B. um Heilung beten.

Doch was ist mit den Menschen, die chronisch krank oder behindert sind? Sind sie verdammt, weil sie nie geheilt werden? Haben ihre Eltern oder gar ihre Ahnen fürchterliche Sünden begangen oder sind sie nicht gläubig genug, arbeiten sie nicht genug an ihrer Gesundheit?

Was ist Heilung überhaupt? Heil werden heißt ganz werden, der umgangssprachliche Gebrauch des Wortes „Heil“ zeigt uns dies: Etwas heile machen, etc. Die Frage, ob jemand ganz oder defekt ist, kann man subjektiv oder objektiv betrachten.

die objektive Betrachtungsweise geht von Symptomen und Abweichungen vom Normalfall aus.  Und hier wird es schon schwierig, wer definiert den Normalfall? Das sind meist die westlichen Eliten aus Medizin und Psychiatrie.  Deren Meinungen sind nicht in stein gemeisselt, Beispiel: Homosexualität  wurde sehr lange noch als psychische Störung gesehen.

Natürlich hat die objektive Betrachtungsweise auch ihre Vorteile, findet man schnell die richtige Schublade, also die richtige Diagnose, kann der betroffene sich gezielt über Möglichkeiten der Therapie und Rehabilitation informieren und diese effizient nutzen.

Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Denn wie sieht es beim Betroffenen und in seiner Umgebung aus, fühlt er sich noch ganz und kann sagen, OK, ich lebe mit einer Diagnose, ich bin jedoch nicht meine Diagnose. Vielleicht muss ich hier und  da einen Umweg nehmen, um zum Ziel zu kommen. vielleicht sind mir auch Dinge nicht mehr so ohne weiteres möglich wie vorher. doch das gilt natürlich nicht nur für chronisch kranke oder behinderte, das gilt für alle, deren Lebensumstände sich auf einmal drastisch ändern.

Die Frage ist daher für mich nicht, ich habe die Diagnose X, was nun, sondern eher, meine Lebensumstände haben sich geändert. Was kann ich lernen/tun, um weiterhin ein für mich sinnvolles Leben zu führen? Solche Momente sind aus meiner Erfahrung heraus auch immer ein guter Punkt, um über die Frage, was ist überhaupt ein sinnvolles Leben für mich und wie möchte ich ihm begegnen? Und eben auch abschließend die Frage, bin ich im Grunde Heil oder defekt, nachzudenken.

Die Antworten auf diese Fragen kannst Du Dir nur selbst geben. Wenn du gläubig bist oder einer bestimmten Philosophie folgst, kann dies eine stütze sein, die letzte Entscheidung, was Du mit Deiner Diagnose tust, fällst Du selbst.

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